Der Begriff des Mana spielt eine zentrale Rolle in den traditionellen kulturellen und religiösen Überzeugungen der Völker Polynesiens. Als wesentliches Element der aus den schamanistisch-religiösen Traditionen Hawai‘is abgeleiteten Huna-Lehre sowie anderem neoschamanistisch geprägtem Gedankengut hat es Eingang in westlich geprägte Vorstellungen aus Esoterik und Neoschamanismus gefunden.
In seiner elementaren Bedeutung meint der Begriff Mana ganz einfach Macht, sei diese spiritueller oder weltlicher Natur. Die polynesische Kultur sieht hier keinen grundsätzlichen Unterschied: Ein Mensch, der sich durch große Fähigkeiten, Kraft und Selbstvertrauen auszeichnet, besitzt ein bedeutendes Mana und damit gemäß der polynesischen Überzeugung zwangsläufig auch große spirituelle Energie.
Das Konzept dieser spirituellen Energie lässt sich in gewissen Grenzen mit ähnlichen Ideen aus anderen Kulturkreisen vergleichen wie z.B. Qi (Ch'i, jap. Ki), Prana, Orgon, Psi-Kraft und vielem mehr. Mana beschreibt eine universelle Lebenskraft, die in jeder Erscheinung der weltlichen Realität fließt und diese mit Leben erfüllt. Mana im Sinne des polynesischen Denkansatzes muss an eine konkrete Form gebunden sein: Demzufolge hat jeder Stein, jeder Baum und auch jeder Mensch sein ganz persönliches Mana, ein spirituell-energetisches Kraftpotential, das sich gleichermaßen aus weltlichen und spirituellen Komponenten speist.
"Mana" und "Tabu" - beides Bezeichnungen aus dem pazifischen Kulturraum - sind zwei Bezugsgrößen, die, ähnlich wie Aktion und Re-aktion, nicht voneinander zu trennen sind: "Mana" ist das sich verselbständigende, ein genau definiertes Verhalten auslösende Stigma (eines Lebewesens, eines Objekts, eines Zustandes), "Tabu" ist die entsprechende (distanzierende) Vorkehrungsmaßnahme.