Polyarthritis (chron. Polyarthritis, Rheumatoide Arthritis)
Bei der chronischen Polyarthritis (CP, rheumatoide Polyarthritis) handelt es sich um eine entzündliche Allgemeinerkrankung, wobei vor allem die Finger- und Vorfussgelenke betroffen sind. Die Gelenksinnenhaut (Synovia) ist entzündet. Diese Entzündung führt mit der Zeit zu einer Verdickung (Pannus). Als Folge davon wird der Gelenkknorpel überwuchert und zerstört.
Ursache
Die Ursache ist unbekannt. Es besteht jedoch eine genetische Disposition. Frauen sind ca. 3x häufiger als Männer betroffen. Der Häufigkeitsgipfel liegt etwa um das 40. Lebensjahr.
Symptome
Allgemeinsymptome
Schwäche, rasche Ermüdbarkeit, Appetitlosigkeit, leichte Temperaturerhöhung, Schweissneigung, brüchige Nägel.
Spezifische Symptome
Meist sind zunächst die Fingergrund- und Fingermittelgelenke betroffen. Die Gelenke sind geschwollen und zeigen eine morgendliche Steifigkeit. Sie sind schmerzhaft auf Druck (z.B. Händedruck) und bei Bewegung.
Charakteristisch für eine Polyarthritis sind sog. Rheumaknoten. Dies sind derbe Knötchen unter der Haut, oft an den Streckseiten im Ellbogengelenk gelegen.
Mit der Zeit kann es auch zu Gelenkergüssen und Befall grösserer Gelenke kommen.
Da es sich um eine Allgemeinerkrankung handelt, kann die Krankheit auch andere Organe (z. B. Herz, Lunge) oder die Gefässe (Vasculitis) betreffen.
Diagnose mit Klinik, Röntgen, Labor
Die Diagnose wird auf Grund der Klinik, Röntgenbefunde und Laborwerte gestellt.
Typische Röntgenbefunde sind gelenknahe Osteoporose und Knochendefekte (Zysten, Usuren), welche vor allem an der Knorpel-Knochengrenze auftreten. Später auch Auftreten einer Gelenkspaltverschmälerung durch Knorperschwund und ev. Gelenkfehlstellungen.
Im Labor sind die Rheumafaktoren in ca. 70-80% positiv. Die Blutsenkung und das C-reaktive Protein (CRP) sind je nach Entzündungsaktivität erhöht.
Gemäss dem American College of Rheumatology müssen für die Diagnosestellung 4 der folgenden 7 Faktoren erfüllt sein (ARA-Kriterien). Wobei die ersten 4 Faktoren während mindestens 6 Wochen bestehen müssen.
ARA-Kriterien
- Morgensteifigkeit während mindestens 1 Stunde
- Schwellung an mindestens 3 Gelenksregionen ( bei insgesamt 14 Gelenksregionen)
- Befall mindestens eines Hand-, Fingergrund- oder Fingermittelgelenks
- beidseitiger Befall der gleichen Gelenksregion
- Rheumaknoten
- positive Rheumafaktoren im Blut
- typische Röntgenbefunde
Therapie
Allgemeine Massnahmen
- Physiotherapie: spez. Krankengymnastik (isometrische Übungen, Kontrakturprophylaxe), ev. Kältebehandlung im akuten Stadium, Elektrotherapie, etc.
- Ergotherapie: v.a. Gelenksschutzberatung, Lagerungs- u. Funktionsschienen
Medikamente
- Basismedikamente:
Die Basismedikation hat zum Ziel den Entzündungsprozess zu stoppen und damit der Gelenkserkrankung vorzubeugen. Diese Medikamente wirken erst nach ca. 1- 3 Monaten. Folgende Medikamente werden unter anderem eingesetzt: Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid, Chloroquin
- Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)
- Glukokortikoide:
Sie werden vor allem im akuten Schub angewandt häufig als Tabletten oder auch durch Injektionen ins entzündete Gelenk
- ev. auch Injektion eines kurzlebigen, antientzündlichen Radionukleids ins Gelenk (Radiosynoviorthese)
Chirurgische Massnahmen
- Synovektomie:
Entfernung der entzündlich veränderten Gelenksinnenhaut (Pannus)
- Bei schweren Fällen ist ev. ein chirurgischer Gelenksersatz nötig.
Verlauf der Erkrankung ist individuell verschieden
Der Verlauf der Erkrankung ist individuell verschieden und nicht voraussehbar. Durch eine konsequente, rechtzeitige Behandlung mit einer Basistherapiemedikation ist es möglich ein Stillstand der Erkrankung zu erwirken und damit einer stärkeren Gelenkszerstörung vorzubeugen.
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Stand: November 2006
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